Die Lahn

VON KLAUS SULZBACHER

„Die Lahn – Bootsfahrt durch eine wundervolle Landschaft mit bewegter Geschichte“

Sanft trudeln Blätter ins fast schwarz schimmernde Wasser. Knorrige Uferweiden tauchen ihre überhängenden Äste in den Fluss. Ab und zu fliegen ein paar Enten schnatternd auf. Schwäne und Nilgänse ziehen ungestört ihre Bahn. Graureiher stehen reglos im Uferdickicht und warten geduldig auf Beute. Über uns zieht ein Rotmilan seine Kreise. Zwei Angler sitzen am Ufer und stochern im Lagerfeuer. Der Duft von verbranntem Holz weht zu uns herüber. Es ist still hier.

Nein, wir sind nicht im Paradies, sondern unterwegs auf der Lahn, einem der schönsten Nebenflüsse des Rheins. Mit den bis ans Ufer reichenden Nadel- und Laubwäldern, den dunkelgrünen Auen, den alten Stauwehren, den unberührten Nebenarmen, die ideale Lebensräume für Tiere und Pflanzen sind, zieht uns der Fluss in seinen Bann.

In alten Zeiten transportierten kleinere Frachtschiffe zwischen Wetzlar und Lahnstein Silbererze, Eisen, Tone, Marmor und viele andere Erzeugnisse der Region in alle Welt. 1980 befuhr das letzte Güterschiff die Lahn. Heute ist der Fluss Traumziel für Kanuten, Ruderer und Sportbootfahrer, die alle für eine Fahrt auf dem Fluss erforderlichen Informationen erhalten.

Der besorgniserregende frühere Plan des Bundesverkehrsministeriums, die Lahn als Bundeswasserstraße zu entwidmen, wird ausführlich geschildert, scheint aber nach neuestem Stand wohl aufgegeben worden zu sein. Die im Buch erzählte Flussreise beginnt in Lahnstein und führt mit dem Motorboot flussaufwärts bis Dehrn. Von der „Perle der Lahn“, wie Weilburg liebevoll genannt wird, geht es dann lahnabwärts mit dem Kanu zum romantischen Städtchen Runkel.

Schon bald zu Beginn der Flussfahrt ist der erste Glanzpunkt, das historische Wirtshaus an der Lahn, Teil des UNESCO-Welterbes, zu bewundern. Die erstaunliche Geschichte des Gebäudes und seiner illustren Gäste, u.a. der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe, wird aufschlussreich und lebhaft dargestellt. Auch die Sage des schottischen Mädchens Idilia Dubb, die auf dem Turm der damals verfallenen Burg Lahneck verhungerte, nahm hier ihren Anfang.

Die bereits von den Römern und später vom europäischen Hoch- und Geldadel und Künstlern genutzten Heilquellen von Bad Ems, die Badehäuser und Badegeschichten, die großartigen Prachtbauten der Kurstadt und die Emser Depesche, werden detailreich beschrieben.

Dausenau, der Bilderbuchort mit seiner mittelalterlichen Wasserfront und dem Turm, der schiefer ist als der von Pisa, ist ein touristischer Anziehungspunkt.

Dies gilt gleichermaßen für das in Nassau gelegene Schloss des Reichsfreiherrn vom und zum Stein, den hoch über der Stadt thronenden Bergfried und den Adelsheimer Hof.

Auch die letzten Weinberge an der Lahn, die sich überwiegend in Obernhof befinden und das von der Raubritterburg zur Abtei mutierte, herrlich gelegene Kloster Arnstein, warten auf Pilger und Besucher.

Zwischen Laurenburg und dem schön gelegenen Ort Balduinstein erleben wir einen weitgehend naturnahen Flussabschnitt, wo keine Straße die Idylle stört und Auen und Wälder die Lahn sanft umrahmen.

In Diez liegen wir vor der alten Brücke mit Zollhäuschen, gehen in die lauschige Altstadt, bewundern das hoch darüber schwebende Grafenschloss und das etwas außerhalb des Stadtkerns malerisch gelegene Schloss Oranienstein mit seinen wundervollen Stuckarbeiten und einem wunderschönen Park.

Die reich verzierten Fachwerkhäuser und die spätromanische, farbenprächtige Gottesburg St. Georg prägen das Gesicht der Stadt Limburg und stehen im krassen Gegensatz zu dem umstrittenen Bischofssitz. des Tebartz-van Eltz. Um die Stadt eingehender zu erkunden, sollte man schon mehrere Tage einplanen.

Das auch der heilige Lubentius nach seinem Tode in einem Sarg von Kobern-Gondorf nach Dietkirchen geschippert sein soll, dürfte wohl eher im Reich der Märchen und Sagen anzusiedeln sein. Jedenfalls ist die ihm zu Ehren auf einem riesigen Kalkfelsen errichtete Basilika, in dem sich seine Gebeine befinden, ein sehenswerter, atemberaubender Ort.

Da das Ende der mit einem Motorboot befahrbaren Lahn hinter dem Dehrner Sportboothafen beginnt, wollen wir die Lahn von Weilburg nach Runkel in zwei Etappen mit dem Kanu befahren.

Muskelkraft statt Motorkraft

Bevor wir uns aktiv sportlich betätigen, besichtigen wir natürlich den historischen Stadtkern und die alles beherrschende, weitläufige Schlossanlage der ehemaligen Residenzstadt Weilburg.

Die Kanutour beginnt dann unmittelbar vor dem einzigen befahrbaren und 195 Meter langen Schiffstunnel in Deutschland. Mit der am Ende eingebauten Doppelschleuse ist er nicht nur ein Beispiel überragender Ingenieurskunst, sondern ein Muss für alle Technikbegeisterte und Wassersportler.

Mit etwa 3 Kilometer die Stunde geht es langsam flussabwärts. Nach etwa zwei Stunden unterqueren wir die einzige Marmorbrücke Deutschlands und ziehen unser Boot wenig später an der Anlegestelle der kleinen Marmorstadt Villmar aus dem Wasser. Es zieht uns dahin, wo Marmor, Stein und Eisen spricht: ins Marmormuseum auf dem gegenüberliegenden Ufer.

Voll neuer Erkenntnisse über die Entstehung, den Abbau und die Verarbeitung des Lahnmarmors setzen wir unsere Fahrt fort. Eine halbe Stunde nachdem wir die Villmarer Schleuse passiert haben, erreichen wir einen imposant aus dem Wasser ragenden Felsen: die Bodensteiner Lei.

Unsere letzte Etappe führt von Aumenau nach Runkel. Hoch über dem Fluss und der alten Lahnbrücke ragt die beeindruckende und gut erhaltene Burg in den azurblauen Himmel. Unterhalb der Burg herrscht reger Badebetrieb. Auch wir mischen uns unter die Badegäste und erfrischen uns nach der etwas ungewohnten Kanufahrt in der Lahn. Dabei wissen wir schon jetzt, dass wir irgendwann wiederkommen an diesen zauberhaften Fluss und seine interessanten Orte und liebenswerte Menschen.

Klaus Sulzbacher

"Die Lahn und die sie umgebende Landschaft gehören zu den
schönsten Flussrevieren in Deutschland“

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